Wie entwickeln sich die gesetzlichen und regulatorischen Bestimmungen zur klinischen Forschung in Frankreich?
Seit der Debré-Verordnung von 1958 gilt die medizinische Forschung als eine der Hauptaufgaben des Gesundheitswesens, die ursprünglich ausschließlich von den Universitätskliniken (CHU) durchgeführt wurde. Insbesondere die Abteilungen für klinische Forschung und Innovation (DRCI) sind dafür zuständig. Seitdem sind die Universitätskliniken gemeinsam mit anderen Forschungseinrichtungen (wie den heutigen INSERM oder CNRS) für die medizinische Forschung verantwortlich. Diese Forschung stellt ein strategisch wichtiges Element für die Universitätskliniken dar, das es ihnen ermöglicht, ihre Eigenständigkeit und Einzigartigkeit im französischen Gesundheitssystem zu gewährleisten.
Im Laufe der Zeit wurde durch das Gesetz die Forschung auf alle Gesundheitseinrichtungen ausgeweitet. Was ursprünglich eine Besonderheit der Universitätskliniken war, wurde 1991 zur Aufgabe der Krankenhäuser allgemein, die die öffentliche Gesundheitsversorgung gewährleisten. 2009 trat ein Gesetz zur Reform der Krankenhäuser und der Patientenversorgung in Kraft, das 14 öffentliche Dienstleistungen definierte, die von öffentlichen, gemeinnützigen und privaten Gesundheitseinrichtungen erbracht werden können. Die klinische Forschung ist eine dieser Leistungen. Es ist erwähnenswert, dass das Gesetz zur Modernisierung des Gesundheitssystems von 2016 die Aufgaben des öffentlichen Dienstes aufhob, um den öffentlichen Krankenhausdienst wiederherzustellen. Der Grundsatz, dass die klinische Forschung alle Arten von Gesundheitseinrichtungen betrifft (öffentlich, gemeinnützig oder privat), bleibt jedoch bestehen.
Die Herausforderungen bei der Förderung der klinischen Forschung in Krankenhäusern
Für einen Krankenhausleiter in einem kommunalen Krankenhaus hat die Förderung der klinischen Forschung in seinem Krankenhaus mehrere positive Auswirkungen. Diese sind insbesondere im Kontext des aktuellen demografischen Wandels besonders wertvoll.
Herausforderung Nr. 1: eine bessere Qualität bei der Patientenversorgung bieten
Die erste Herausforderung besteht darin, den Patienten eine bessere Versorgungsqualität zu bieten. Die klinische Forschung in Krankenhäusern macht die Forschung für eine größere Zahl von Patienten zugänglich, ermöglicht Patienten den Zugang zu innovativen therapeutischen Ansätzen und bietet fortschrittliche medizinische Angebote. Darüber hinaus trägt die klinische Forschung – insbesondere durch bewährte klinische Praktiken und die methodischen Anforderungen der Forschung, dazu bei, die Versorgungsqualität für alle Patienten des Krankenhauses zu verbessern und nicht nur für diejenigen, die an einer Forschungsstudie teilnehmen.
Herausforderung Nr. 2: die Attraktivität der Einrichtung steigern
Darüber hinaus trägt die klinische Forschung dazu bei, die Attraktivität der Einrichtung für medizinisches Personal zu steigern. Obwohl die Forschung für einen Krankenhausarzt nicht verpflichtend ist, stellte der Toupiller-Bericht von 2011 fest, dass mehr als 70 % der befragten Ärzte Forschung und wissenschaftliche Veröffentlichungen als wichtige Faktoren für eine Karriere im Krankenhaus betrachteten. Die Unterstützung durch eine klinische Forschungseinheit, die es dem medizinischen Personal ermöglicht, von Kollegen zu lernen, Wissen zu teilen und kollektiv zum Fortschritt der medizinischen und wissenschaftlichen Erkenntnisse beizutragen, ist ein Faktor für die Attraktivität und Differenzierung der Einrichtungen und kann als Antwort auf den Personalmangel dienen.
Herausforderung Nr. 3: die Rolle der französischen Forschung auf der Weltbühne stärken
Darüber hinaus kann die Stärkung der kommunalen Krankenhäuser im Bereich der klinischen Forschung vorteilhaft für die Position der französischen Forschung auf der weltweiten Bühne und den dort herrschenden „Wettbewerb“ sein und zur Weiterentwicklung des medizinischen Wissens zugunsten der menschlichen Gesundheit beitragen. Dies sind nur einige der Gründe, warum die Forschung in Krankenhäusern auf positive Resonanz stößt.
Erfolgsfaktoren für klinische Forschungsprojekte in Krankenhäusern
Mehrere Erfolgsfaktoren tragen dazu bei, dass klinische Forschungsprojekte in Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäusern erfolgreich umgesetzt werden können:
- Eine geeignete Infrastruktur mit modernster Ausstattung, spezialisiertem Personal und Forschungsräumen,
- Ausreichende finanzielle Ressourcen durch öffentliche Zuschüsse, Öffentlich-Private Partnerschaften und interne Budgets für Forschung zur Unterstützung von Projekten,
- Der Einsatz der Leitung durch kontinuierliche Schulungen und eine verstärkte Ausrichtung auf die Forschung innerhalb der Einrichtung, um die Gesundheitsfachkräfte zu motivieren,
- Institutionelle und regulatorische Unterstützung, insbesondere durch die Vereinfachung administrativer Verfahren und die Einhaltung von Vorschriften zur Erleichterung der Durchführung von Forschungsprojekten,
- Die Einbeziehung von Patienten durch Aufklärung, die Einholung ihrer informierten Zustimmung und die Wertschätzung ihrer Teilnahme, um klinische Studien erfolgreich durchzuführen.
Es gibt jedoch auch weitere spezifische Erfolgsfaktoren für die Umsetzung von Forschungsprojekten in Krankenhäusern:
- Die Sichtbarkeit der klinischen Forschung der Einrichtung sowohl intern bei medizinischem Personal als auch extern zu erhöhen. Dies bedeutet, die strategische Ausrichtung des Krankenhauses auf die klinische Forschung zu fördern.
- Den Bereich der klinischen Forschung erweitern. Indem alle medizinischen Disziplinen in Forschungsarbeiten einbezogen werden und der Bereich der paramedizinischen Forschung geöffnet wird, können Krankenhäuser langfristig die Rolle des Sponsors von klinischen Studien einnehmen.
- Strategische Partnerschaften aufbauen – insbesondere auf regionaler Ebene, um die Professionalisierung der klinischen Forschung zu verstärken. Dies bedeutet, den Beriech der klinischen Forschung an Universitätskliniken zu öffnen, um vom medizinischen Netzwerk zwischen Universitätskliniken und anderen Krankenhäusern zu profitieren.
Wenn diese Bedingungen erfüllt sind, können Krankenhäuser dynamische und innovative Akteure im Bereich der klinischen Forschung werden.
Die zunehmende Bedeutung der Krankenhäuser in der klinischen Forschung
Eine langjährige Dominanz der Universitätskliniken
Derzeit wird die Mehrheit der klinischen Forschung in Frankreich in den Universitätskliniken durchgeführt. So fanden beispielsweise 2021 fast 4385 Forschungsprojekte im AP-HP statt, dem führenden französischen Universitätsklinikum in Paris und dem größten Herausgeber wissenschaftlicher Veröffentlichungen. Diese Zahl gibt einen Einblick in die Struktur der klinischen Forschung in Frankreich, sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die anderen Krankenhauszentren bei der Durchführung von Forschungsprojekten nach und nach behaupten. Dies wird insbesondere durch die Verteilung der Mittel der sogenannten MERRI-Projekte (Lehr-, Forschungs-, Referenz- und Innovationsprojekte) sichtbar, die den Krankenhäusern seit 2011 zur Verfügung stehen. Diese Mittel sind nicht die einzige Finanzierungsquelle für die Krankenhausforschung, aber sie stellen die wichtigste dar.
Wachsende finanzielle Unterstützung für Krankenhäuser
2021 erhielten mehr als 90 Krankenhäuser Mittel für MERRI-Projekte, die sich auf insgesamt etwa 92 Millionen Euro beliefen. Dies entspricht 5,1 % des Gesamtvolumens der MERRI-Mittel. Zum Vergleich: 2012 erhielten nur 21 Krankenhäuser MERRI-Mittel, was 2,4 % des Gesamtvolumens ausmachte. Die Zahl der Krankenhäuser, die diese Mittel erhalten, hat sich mehr als vervierfacht, und ihr Anteil am Gesamtvolumen hat sich mehr als verdoppelt. Diese Mittel haben es vielen Einrichtungen ermöglicht, eine eigene Forschungsabteilung aufzubauen.
Stärkere Koordination zwischen Universitätskliniken und Krankenhäusern
Die Forschung entwickelt sich verstärkt innerhalb von Regionen, in denen der Wettbewerb zunehmend der Koordinierung und Komplementarität zwischen Universitätskliniken und anderen Krankenhäusern weicht, indem die jeweiligen Kompetenzen jeder Einrichtung gewahrt werden. Immer mehr Krankenhäuser beteiligen sich an nationalen und internationalen Forschungsprogrammen, Kohortenstudien, Registern und randomisierten klinischen Studien.
Die Ausweitung der klinischen Forschung in den letzten 15 Jahren hat dazu geführt, dass die Dominanz der Universitätskliniken in diesem Bereich zurückgeht. Durch gesetzliche Reformen und eine stärkere Förderung spielen Krankenhäuser eine immer wichtigere Rolle in der klinischer Forschung. Diese Entwicklung verbessert die Versorgungsqualität, steigert die Attraktivität der Krankenhäuser für medizinisches Personal und stärkt die Position Frankreichs in der globalen Forschung. Der Erfolg dieser Entwicklung hängt jedoch von Erfolgsfaktoren wie geeigneter Infrastruktur, ausreichender Finanzierung und dem Einsatz der Krankenhausleitung und Patienten ab.
Wir von Alcimed begleiten sowohl etablierte als auch neue Akteure in der medizinischen Forschung dabei, sich in diesem dynamischen Umfeld zu positionieren. Zögern Sie nicht, unser Team zu kontaktieren!
Über die Autorin,
Mathilde, Consultant in Alcimeds Innovations- und Public Policy Team in Frankreich